Glacier Express
Als Geschenk zu meinem 30. Geburtstag haben wir (Mama, Papa, Laura und ich) eine Zugreise in und durch die Schweiz gemacht. Nala haben wir schon übers Wochenede zu Tim gebracht. Der Plan war: von München nach St. Moritz am 1. Tag, mit dem Glacier Express von St. Moritz nach Zermatt am 2. Tag, mit der Zahnradbahn hoch zum Matterhornblick am 3. Tag und am 4. Tag wieder zurück nach München. Also kurzum, vier Tage Zug fahren: Für manche ein Horror, aber für uns jetzt mal Urlaub.
Los ging es am Donnerstag (Feiertag) von München nach Zürich mit dem ersten Zug (EuroCity), der gleich mal vor Lindau Verspätung hatte. Da dachten wir noch: Deutschland eben. Weiter ging es dann eine Stunde später mit dem InterRegio der SBB nach Landquart und von dort mit der Rhätischen Bahn, einer Schmalspurbahn, nach St. Moritz. Schon bei der letzten Etappe haben wir einen super Ausblick auf die malerische Schweizer Berglandschaft und kleine Gebirgsdörfchen gehabt.
In St. Moritz angekommen, haben uns 4 Grad, Wind und leichter Schneefall erwartet. Deswegen waren wir froh, mit einer Indoor-Rolltreppe bis hoch zum Ort zu fahren und dann nur wenige Meter bis ins Hotel zu gehen. Nach dem Check-inund Kaffee hat die Sonne auch durchgeblinzelt und wir haben die Innenstadt von St. Moritz erkundet, wo alles geschlossen war (vermutlich auch wegen des Feiertags). Den Tag haben wir im Hotel-Restaurant ausklingen lassen.
Langsamster Schnellzug der Welt
Der 2. Tag war der Tag aller Tage und nach einem ausgiebigen Frühstück wartete der Glacier Express schon am Bahnhof auf uns. Es vergingen keine zwei Minuten nach der Losfahrt und uns wurde zum ersten von vielen Malen erklärt, dass es der langsamste Schnellzug der Welt ist. Schon nach kurzer Zeit kommt das größte Highlight der Zugfahrt: die Albulastrecke, die mit ihren 144 Brücken und 42 Tunneln und Galerien zu den spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt gehört. Besonders ist dabei vor allem, dass sich die Strecke quer von der einen zur anderen Talseite erstreckt und die Kehrschleifen als Tunnel in die Berge geschlagen sind. Dabei kreuzt sich die Strecke mehrfach selbst. Das gestrige Schneewetter hat alle Tannenbäume in ein Schneekleid gehüllt und diesen Abschnitt der Fahrt besonders malerisch gestaltet. Auch das beeindruckendste Viadukt – das Landwasserviadukt – haben wir in diesem Streckenabschnitt überquert, wobei der Zug direkt aus dem Tunnel kommt und über die Brücke fährt.
Nach der aufregenden und wunderschönen Strecke fährt der Glacier Express weiter bis nach Chur, wo er dann die Richtung wechselt und sich durch die Rheinschlucht schlängelt.
Entlang des Rheins geht es weiter bis nach Disentis. Dort verlässt uns die gelbe Lok der Rhätischen Bahn und die Matterhorn-Gotthard-Bahn übernimmt den Zug mit einer roten Zahnradlok. Die ist auch nötig, denn es geht weiter über den Oberalppass nach Andermatt und schon kurz nach dem Lokwechsel wird die Strecke steiler und die Lok zieht über das Zahnrad, während die Wagen auch einfädeln und zum Bremsen ebenfalls mit der Zahnradschiene verbunden sind.
Der sonst aussichtsreiche Oberalppass auf 2044 Metern war leider komplett in Nebel/Wolken gehüllt, weshalb man nicht wirklich viel gesehen hat. Vorbei an viel Schnee und ein paar Skihütten ging es dann eine geschlängelte Zahnradstrecke steil nach Andermatt hinunter und von dort aus weiter nach Realp, wo unser Zug dann durch den Furka-Basistunnel fährt. Früher führte die Strecke des Glacier Express weiter über die Furka-Bergstrecke vorbei am Rhonegletscher, der dem Express auch den Namen gab. Heute fährt hier „nur“ noch ein Dampfzug über diese Strecke, die durch den Schnee nicht ganzjährig befahrbar ist. Dieses Vergnügen haben wir uns gespart und wollen wir ein andermal nachholen.
Auf der anderen Seite des Furkapasses geht es weiter durch tiefe Täler vorbei an malerischen Schweizer Bergdörfern hinunter über Brig und Visp zum Mattertal. Dort fahren wir wieder hinauf bis nach Zermatt, dem Ziel der Zugfahrt. Gegen Ende der Strecke nach Zermatt wurde es wieder spektakulärer, als das Tal enger und die Berge steiler wurden. Nach acht Stunden Fahrt haben wir dann (vielleicht auch endlich) Zermatt erreicht. Da Zermatt autofrei ist, sind uns gleich die zahlreichen Mini-Elektrobusse aufgefallen, die die übrigen Zugreisenden zu ihrem Hotel nutzten. Wir waren aber froh, ein paar Meter zu Fuß zum Hotel zu gehen.
Da es bewölkt war und leicht geschneit hat, haben wir das Matterhorn leider noch nicht gesehen und haben nach einem leckeren Käsefondue entschieden, am nächsten Tag auf den Gornergrat zu fahren, um hoffentlich von dort aus das Matterhorn (und die anderen Viertausender) zu bestaunen.
Das Matterhorn
Schon bevor wir überhaupt aus dem Hotel gegangen sind, haben wir aus dem Wintergarten, wo das Frühstück war, das Matterhorn gesehen, wobei fast keine Wolken davor oder dahinter hingen. Motiviert von der schönen Aussicht und gut gestärkt sind wir zur Zahnradbahn gegangen, um zum Gornergrat hochzufahren….